Sie möchten einen großen Raum teilen, einen Arbeitsbereich abtrennen oder einfach mehr Stauraum schaffen – ohne massive Baumaßnahmen? Eine Trockenbauwand ist die Lösung. Gerade im Altbau mit seinen schiefen Wänden, unebenen Decken und manchmal fragwürdiger Statik ist die Planung jedoch anspruchsvoll. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie eine Trockenbauwand im Altbau selbst erstellen, worauf Sie bei Statik und Schallschutz achten müssen und welche Kosten realistisch sind.
Auf einen Blick

- Trockenbauwände eignen sich als Raumteiler, zur Nischenbildung oder für zusätzlichen Stauraum, auch in Mietwohnungen (mit Genehmigung).
- Im Altbau sind Unterkonstruktion und Ausgleich von Unebenheiten entscheidend – Profi-Tipp: metallfreie Aussteifungen und elastische Anschlüsse.
- Schallschutz nach DIN 4109: Bei raumhohen Wänden sind mindestens 2-lagige Beplankung und Mineralwolle-Dämmung erforderlich.
- Kosten: ca. 30–60 €/m² für Material, bei Eigenleistung etwa 10–20 €/m² für Kleinteile und Werkzeug.
- In Altbauten unbedingt Statik prüfen: Keine tragende Wand ohne Abstimmung mit Statiker; leichte Trennwände (≤ 50 kg/m²) sind meist unkritisch.
Warum Trockenbau im Altbau? Vorteile und Herausforderungen
Gerade in Altbauwohnungen mit hohen Decken (oft 3 m oder mehr) und großen Räumen bietet sich eine Trockenbauwand an, um den Wohnraum zu strukturieren. Sie können damit einen offenen Wohn-Essbereich in zwei Zonen teilen, einen Flur abtrennen oder ein kleines Homeoffice schaffen – und das ohne nasse Arbeiten und mit überschaubarem Aufwand. Im Vergleich zu massiven Wänden aus Ziegel oder Porenbeton ist Trockenbau leichter, schneller und rückbaubar. Das ist besonders in Mietwohnungen ein Vorteil, denn Sie können die Wand bei Auszug wieder entfernen – sofern der Vermieter zustimmt.
Die Herausforderung im Altbau liegt in den unebenen Oberflächen: Wände sind oft nicht lotrecht, Decken haben Durchbiegungen, Böden sind schief. Eine Trockenbauwand muss diese Toleranzen ausgleichen, sonst entstehen Spannungen, Risse oder undichte Anschlüsse. Zudem sind Altbauten häufig mit Holzbalkendecken ausgestattet, die eine geringere Tragfähigkeit haben als Stahlbetondecken. Eine massive Wand aus Kalksandstein kann hier schnell zu schwer sein. Trockenbau ist mit etwa 25–50 kg/m² deutlich leichter und daher meist statisch unbedenklich – dennoch sollten Sie die Lasten immer mit einem Fachmann prüfen.
Ein weiterer Punkt: Der Schallschutz. In Mehrfamilienhäusern wollen Sie vermeiden, dass Geräusche aus dem Nebenraum durch die neue Wand übertragen werden. Die DIN 4109 fordert für Wohnungstrennwände ein bewertetes Schalldämmmaß von mindestens 53 dB. Bei leichten Trennwänden im eigenen Wohnbereich sind 37–42 dB üblich. Mit einer zweilagigen Beplankung und Mineralwoll-Dämmung (mindestens 40 mm) erreichen Sie gute Werte. Im Altbau mit seinen flankierenden Bauteilen (Massivdecken, Fenster) kann der tatsächliche Schallschutz jedoch abweichen – planen Sie daher großzügig.
Planung und Vorbereitung: Statik, Maße und Material
Bevor Sie loslegen, steht die gründliche Planung. Messen Sie den Raum exakt aus – nicht nur die Breite und Höhe der Wand, sondern auch die Abweichungen von Lot und Wasserwaage. Notieren Sie sich die Höhe an mehreren Stellen; Altbaudecken sind oft bis zu 5 cm höher als angenommen. Planen Sie die Wandstärke: Standardprofile (CW-Profile) sind 50, 75 oder 100 mm breit. Für eine nichttragende Trennwand reichen 50 mm Profile mit einer 12,5 mm dicken Gipsplatte beidseitig. Bei höheren Anforderungen an Schallschutz oder Stabilität (z. B. für Hängeschränke) nehmen Sie 75 mm Profile und zweilagige Beplankung.
Die Statik: In der Regel ist eine Trockenbauwand im Altbau unkritisch, wenn sie direkt auf der Decke steht und nicht als tragendes Element dient. Dennoch sollten Sie die Lasten berechnen: Eine 10 m² große Wand mit 50er Profilen und einfacher Beplankung wiegt ca. 250 kg. Das verteilt sich auf die Decke – bei einer typischen Holzbalkendecke mit einer Tragfähigkeit von 150–200 kg/m² ist das vertretbar. Aber Vorsicht: Wenn die Wand parallel zu den Balken verläuft und genau auf einem Balken steht, ist die Lastkonzentration höher. Lassen Sie im Zweifel einen Statiker oder den Hausverwalter prüfen. In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig haben wir eine Trennwand mit 75er Profilen und doppelter Beplankung erstellt – der Statiker gab grünes Licht, nachdem er die Balkenlage gecheckt hatte.
Materialliste (für eine 10 m² Wand, Höhe 2,80 m, Breite 3,50 m):
- UW-Profile (Boden- und Deckenanschluss): 2 x 3,50 m = 7 m, plus Verschnitt, ca. 15 €
- CW-Profile (Ständer) im Abstand von 62,5 cm: ca. 7 Stück à 3 m, ca. 25 €
- Gipsplatten (12,5 mm, 2,60 x 1,25 m): 10 Stück für einfache Beplankung beidseitig, ca. 80 €
- Trennwand-Dämmung (Mineralwolle, 40 mm, 10 m²): ca. 30 €
- Randdämmstreifen, Schrauben, Spachtelmasse, Bewehrungsband: ca. 40 €
- Werkzeug (Bohrer, Wasserwaage, Cuttermesser, Spachtel) meist vorhanden, sonst ca. 50 €
Gesamtkosten Material: ca. 240 €. In der Praxis kommen oft noch Kosten für Türzargen, Elektroleitungen oder Putzausgleich hinzu. Rechnen Sie mit 30–50 €/m² für die reine Trockenbauwand in Eigenleistung.
Schritt-für-Schritt: Trockenbauwand selbst erstellen
1. Markierung und Vorbereitung: Zeichnen Sie den Wandverlauf mit Kreide oder Laser auf Boden und Decke an. Berücksichtigen Sie Türöffnungen. Bringen Sie Randdämmstreifen auf Boden, Decke und angrenzenden Wänden an – das entkoppelt die Wand vom Baukörper und verhindert Schallbrücken.
2. Montage der UW-Profile: Schneiden Sie die UW-Profile auf Maß (Boden und Decke). Befestigen Sie sie mit geeigneten Dübeln (bei Altbau: oft 8er Dübel mit 6er Schrauben) im Abstand von 50–70 cm. Achten Sie auf waagerechte Ausrichtung – notfalls unterlegen.
3. Ständer setzen: Stecken Sie die CW-Profile in die UW-Profile. Der Abstand beträgt 62,5 cm (Mitte) – das entspricht dem Plattenraster. Bei Türöffnungen setzen Sie zusätzliche Profile. Fixieren Sie die Ständer mit Klammern oder Schrauben. Im Altbau: Wenn die Decke schief ist, können Sie die CW-Profile kürzen oder mit Ausgleichsstücken arbeiten.
4. Dämmung einlegen: Füllen Sie die Hohlräume mit Mineralwolle. Achten Sie auf vollflächige, faltenfreie Verlegung. Bei Schallschutzanforderungen verwenden Sie spezielle Schalldämmmatten.
5. Beplankung: Verschrauben Sie die Gipsplatten senkrecht oder waagerecht (besser senkrecht bei hohen Räumen). Verwenden Sie Trockenbauschrauben (25 mm für einfache, 35 mm für doppelte Beplankung). Schraubenabstand: 20–25 cm. Versetzen Sie die Stöße der Platten um mindestens 30 cm. Bei zweilagiger Beplankung die erste Lage versetzt zur zweiten.
6. Spachteln und Oberfläche: Fugen mit Bewehrungsband und Spachtelmasse verschließen. Nach dem Trocknen schleifen. Bei schiefen Wänden im Altbau: Spachteln Sie die Anschlüsse zur Altbauwand mit elastischer Spachtelmasse (z. B. Fugenspachtel mit Kunststoffanteil), um Risse zu vermeiden.
7. Optional: Elektrik und Installationen: Vor dem Schließen der zweiten Seite können Sie Leitungen für Steckdosen oder Schalter verlegen. Verwenden Sie Installationsprofile oder bohren Sie die CW-Profile für Kabeldurchlässe. Achten Sie auf Brandschutz: Kabelkanäle und Brandschutzklappen bei Durchbrüchen.
Ein Beispiel aus der Praxis: In einer Altbauwohnung in Köln (Bj. 1930) mit 3,20 m Deckenhöhe haben wir eine Trennwand zwischen Wohn- und Schlafbereich errichtet. Die Decke war 6 cm schief – wir haben die CW-Profile einzeln zugeschnitten und mit Ausgleichsprofilen gearbeitet. Die Wand steht nun seit 3 Jahren ohne Risse.
Schallschutz und Wärmedämmung: Was ist im Altbau zu beachten?
Im Altbau sind die flankierenden Bauteile oft massiv, aber auch undicht. Eine Trockenbauwand sollte daher nicht nur selbst gut dämmen, sondern auch an Boden, Decke und Wänden sauber angeschlossen werden. Der Randdämmstreifen ist Pflicht. Zusätzlich können Sie elastische Dichtbänder an den Stößen verwenden. Für eine optimale Schalldämmung empfehle ich:
- Zweilagige Beplankung (2 x 12,5 mm) – bringt etwa 5 dB mehr als einfache.
- Mineralwolle-Dämmung mit hoher Rohdichte (≥ 40 kg/m³) – besser als Glaswolle.
- Entkopplung der Profile von der Decke: Verwenden Sie federnde Clips oder Gummilager (kostet ca. 2 €/Stück).
- Vermeiden von Schallbrücken: Keine starren Verbindungen zwischen den beiden Beplankungsseiten.
Wärmedämmung ist bei einer Innentrennwand meist zweitrangig, es sei denn, die Wand trennt beheizte von unbeheizten Räumen (z. B. Treppenhaus). Dann sollten Sie eine Dämmung von 60–80 mm einplanen. Im Altbau ist die Luftdichtheit wichtig: Dichten Sie alle Fugen und Durchdringungen sorgfältig ab, sonst zieht es später.
Kosten und Zeitaufwand
Die Kosten für eine Trockenbauwand in Eigenleistung liegen im Schnitt bei 30–50 €/m². Bei einer 10 m² Wand also 300–500 €. Hinzu kommen Kosten für eine Tür (ca. 100–300 €), Elektroinstallation (ca. 50–100 €) und eventuell Malerarbeiten (ca. 50 €). Wenn Sie einen Handwerker beauftragen, müssen Sie mit 80–150 €/m² rechnen. In einer 55 m² Altbauwohnung in Berlin haben wir eine 8 m² Trennwand in Eigenregie für 280 € Material erstellt – inklusive Tür.
Der Zeitaufwand: Ein geübter Heimwerker benötigt für eine 10 m² Wand etwa 2–3 Tage (Trocknungszeiten der Spachtelmasse eingerechnet). Anfänger sollten 4–5 Tage einplanen. Das Spachteln und Schleifen nimmt die meiste Zeit in Anspruch – planen Sie hier großzügig.
Fazit
- Trockenbauwand im Altbau selbst erstellen: möglich, aber mit gründlicher Planung.
- Statik prüfen: Bei leichten Wänden (≤ 50 kg/m²) meist unkritisch, bei Zweifeln Statiker hinzuziehen.
- Schallschutz nach DIN 4109: Zweilagige Beplankung und Mineralwolle-Dämmung sind empfehlenswert.
- Kosten: 30–60 €/m² Material, bei Eigenleistung. Handwerker kostet das Doppelte.
- Altbau-Spezialitäten: Randdämmstreifen, Ausgleich von Unebenheiten, flexible Anschlüsse.
- Vor Baubeginn: Genehmigung des Vermieters einholen, falls Mietwohnung.

Häufige Fragen
Muss ich eine Trockenbauwand im Altbau vom Statiker prüfen lassen?
Bei nichttragenden, leichten Wänden (unter 50 kg/m²) ist eine Prüfung meist nicht erforderlich. Steht die Wand auf einer Holzbalkendecke oder sind Sie unsicher, lassen Sie einen Statiker oder den Hausverwalter prüfen. Das kostet ca. 200–400 €, gibt aber Sicherheit.
Kann ich eine Trockenbauwand in der Mietwohnung ohne Genehmigung bauen?
Nein, grundsätzlich benötigen Sie die Erlaubnis des Vermieters. Da es sich um einen baulichen Eingriff handelt, kann der Vermieter verlangen, dass die Wand bei Auszug rückgebaut wird. Holen Sie vorher eine schriftliche Genehmigung ein.
Wie gleiche ich schiefe Decken und Wände im Altbau aus?
Messen Sie die Höhe an mehreren Stellen und schneiden Sie die CW-Profile individuell zu. Für den Deckenanschluss können Sie das UW-Profil mit Ausgleichsstücken (z. B. Holzkeilen) unterlegen. Die Fugen zur Altbauwand spachteln Sie mit elastischer Masse.
Welche Dämmung ist für den Schallschutz am besten?
Mineralwolle mit hoher Rohdichte (40 kg/m³ oder mehr) ist optimal. Auch spezielle Schalldämmmatten aus Steinwolle oder mit Gummigranulat sind geeignet. Achten Sie auf eine lückenlose Verlegung.
Kann ich in die Trockenbauwand schwere Lasten hängen (z. B. Hängeschrank)?
Ja, aber planen Sie dafür zusätzliche Verstärkungen ein: Verwenden Sie Holz- oder Metallriegel zwischen den CW-Profilen an der gewünschten Stelle. Für schwere Lasten (über 30 kg) sollten Sie die Profile mit Sperrholz hinterlegen und mit geeigneten Dübeln befestigen.
