Warum die Heizkörpernische so oft verschenkter Platz ist
In vielen Wohnungen (vor allem Baujahre 1950 bis 1990) sitzt der Heizkörper in einer Nische unter dem Fenster. Genau dort wäre Platz für eine schmale Sitzbank, ein Lowboard oder ein Stauregal. Gleichzeitig ist es ein sensibler Bereich: Blockierst du die Konvektion, wird es langsamer warm, die Luftfeuchte kann lokal steigen und du bekommst im ungünstigen Fall kalte Ecken.
Die gute Nachricht: Du kannst die Nische sehr gut nutzen, wenn du drei Dinge sauber planst: Luftführung vor dem Heizkörper, Abstand zu Vorhang und Fensterbank und eine Konstruktion, die jederzeit zugänglich bleibt (Entlüften, Thermostat, Reinigung).
Dieser Artikel zeigt dir praxistaugliche Lösungen für Mietwohnung und Eigentum, inklusive Maße, Materialtipps und typische Fehler aus echten Umbauten.
| Variante | Vorteil | Worauf achten |
| Offene Sitzbank (Lattenrost) | Kaum Wärmeverlust, schnell umgesetzt | Thermostat frei, mind. 5 cm Abstand |
| Konvektor-Abdeckung mit Lamellen | Optisch ruhig, kindersicherer | Große Öffnungen oben und unten |
| Stauraum seitlich der Nische | Maximaler Nutzen ohne Heizkörper zu verdecken | Seitliche Luftwege nicht einengen |

So funktioniert der Heizkörper: Diese 3 Regeln sichern die Wärmeleistung
Regel 1: Luft muss unten rein und oben raus
Ein klassischer Plattenheizkörper wärmt vor allem über Konvektion: Kalte Luft strömt unten an, erwärmt sich und steigt nach oben. Wenn du unten dicht machst oder oben „deckelst“, sinkt die Leistung spürbar.
- Unten frei lassen: mindestens 5 cm, besser 7 bis 10 cm Luftspalt vor der Unterkante.
- Oben offen ausblasen lassen: keine geschlossene Ablage direkt über dem Heizkörper. Wenn Ablage, dann mit großem Lüftungsschlitz (mind. 60% offen).
- Vorne nicht dicht: keine vollflächige Front. Wenn Front, dann Lamellen, Lochblech oder Rahmen mit großen Durchlässen.
Regel 2: Thermostat und Entlüftung müssen erreichbar bleiben
In der Praxis scheitern viele „schöne“ Verkleidungen daran, dass das Thermostat dahinter in einem Hitzestau sitzt und falsch regelt. Dazu kommt: Entlüften musst du mindestens einmal pro Heizsaison können.
- Thermostat nicht hinter dicken Stoffen oder geschlossenen Fronten verstecken.
- Mindestens eine schnell abnehmbare Stelle vorsehen (Magnete, Clips, Haken).
- Zugang zur Entlüftungsschraube einplanen (oft oben seitlich).
Regel 3: Abstand zu Vorhängen und Fensterbank
Schwere Vorhänge, die bis auf den Heizkörper fallen, lenken die warme Luft hinter den Stoff. Ergebnis: Fenster wird warm, Raum bleibt kühler. Eine zu tiefe Fensterbank wirkt ähnlich wie ein Deckel.
- Vorhang-Ende: ideal 2 bis 5 cm über der Heizkörperoberkante.
- Fensterbank: wenn sie sehr tief ist, mit Lüftungsgitter arbeiten oder Luftschlitz nach vorne schaffen.
- Bei bodentiefen Vorhängen: Raffhalter oder seitliche Führung nutzen, damit der Stoff nicht vor dem Thermostat hängt.
Bestandsaufnahme in 15 Minuten: Messen, prüfen, entscheiden
Bevor du irgendetwas baust oder kaufst, mach eine kurze Bestandsaufnahme. Das spart Fehlkäufe, vor allem bei Nischen, die nicht rechtwinklig sind.
Diese Maße brauchst du
- Nischenbreite und -tiefe (an mehreren Punkten messen, Altbau ist oft schief).
- Heizkörperbreite, -höhe, -tiefe plus 2 bis 3 cm Toleranz für Luft.
- Abstand Heizkörper zu Boden und zur Fensterbank.
- Position Thermostat (links/rechts, Höhe, Abstand zur Wand).
Diese Punkte prüfen viele zu spät
- Feuchte am Fenster: Gibt es Kondenswasser? Dann Luftführung und Vorhangführung besonders ernst nehmen.
- Steckdosen in der Nische: Versteckte Kabel und Mehrfachsteckdosen direkt über Wärme sind keine gute Idee.
- Reinigung: Kommt man noch mit Staubsaugerdüse hinter den Heizkörper oder unter die Sitzbank?
3 praxiserprobte Lösungen (mit konkreten Maßen und Materialien)
1) Offene Sitzbank über der Nische: schnell, günstig, wärmefreundlich
Das ist die Lösung, die in Mietwohnungen am besten funktioniert: Du baust eine Bank, die über dem Heizkörper „schwebt“ und vorne offen bleibt. Der Trick ist eine luftige Auflage, ähnlich Lattenrost, damit warme Luft durch kann.
Geeignete Materialien: geölte Eiche/ Buche-Leimholz, Fichte (lackiert), Multiplex (versiegelt). Für den Bankkörper: Multiplex 18 mm oder stabile Regalböden.
- Auflage: Holzleisten 30 bis 50 mm breit, mit 10 bis 15 mm Abstand.
- Höhe Sitzbank: 42 bis 46 cm (mit Kissen eher 42 bis 44 cm).
- Vorne offen: mindestens 2/3 der Frontfläche frei, damit Luft nach oben kann.
- Seitenwangen: nicht zu dicht an den Heizkörper, seitlich 3 bis 5 cm Luft lassen.
Realitätscheck: Wenn Kinder darauf sitzen, plane die Bank so, dass sie nicht gegen das Thermostat tritt. Oft hilft ein seitlicher Abstand oder ein Thermostat mit Fernfühler (falls möglich).
2) Heizkörperverkleidung mit Lamellen: ruhige Optik, aber nur mit großen Öffnungen
Lamellenfronten sehen ordentlich aus und schützen vor heißer Oberfläche. Das funktioniert, wenn oben und unten große Öffnungen bleiben. Was nicht funktioniert: „Schöner Kasten“ ohne Luftweg.
- Oben: durchgehender Schlitz oder Gitterfläche, ideal 5 bis 8 cm tief über die ganze Breite.
- Unten: Sockel nicht geschlossen, 7 bis 10 cm Luftspalt.
- Front: Lamellen mit mindestens 40 bis 60% freier Fläche (je nach Lamellenabstand).
- Montage: Front auf Magneten oder Clips, damit du schnell an Thermostat und Entlüftung kommst.
Material in DE gut verfügbar: MDF (lackiert), Fichte (lackiert), Multiplex. Für Lamellen: Holzleisten oder fertige Lüftungsgittereinsätze. Achte auf abriebfeste Lacke, weil du vorne oft mit Schuhen oder Staubsauger dagegen stößt.
3) Stauraum seitlich der Nische: maximale Nutzung ohne Eingriff in die Konvektion
Wenn der Heizkörper besonders leistungsrelevant ist (z.B. einziges Heizgerät im Wohnzimmer) oder die Nische sehr eng ist, geh seitlich ran: Schmale Regale, Körbe oder ein maßgefertigter Korpus neben der Nische bringen Stauraum, ohne die Luft vor dem Heizkörper zu stören.
- Seitliche Regaltiefe: 18 bis 28 cm reicht für Bücher, Spiele, Ladekram.
- Offene Körbe: funktionieren besser als geschlossene Türen, weil sie Luft nicht „fangen“.
- Obere Ablage: kann über die gesamte Breite laufen, aber mit Lüftungsschlitz über dem Heizkörperbereich.
Details, die im Alltag entscheiden: Kissen, Stoffe, Oberflächen, Sicherheit
Kissen und Polster: nicht zu dick und nicht bis zur Front ziehen
Eine dicke, durchgehende Polsterauflage kann wie eine Dämmung wirken. Besser sind separate Sitzkissen oder eine dünnere Auflage, die hinten 2 bis 3 cm Luft lässt.
- Setze auf abnehmbare Bezüge (Waschmaschine), besonders im Familienhaushalt.
- Wähle Stoffe, die temperaturstabil sind (Baumwollmischung, robustes Polyester).
- Vermeide Kissen, die nach vorne „überlappen“ und die Ausblaszone blockieren.
Oberflächen: versiegeln gegen Kondenswasser und Heizluft
Unter Fenstern hast du mehr Feuchtewechsel. Unbehandeltes Holz arbeitet stark und bekommt schnell Flecken. In der Praxis bewähren sich:
- Hartwachsöl in 2 bis 3 Schichten für Massivholz.
- Klarlack (wasserbasiert) für Multiplex, wenn es besonders pflegeleicht sein soll.
- PU-Lack nur, wenn du sehr robuste Oberfläche brauchst (z.B. häufiges Putzen), dafür weniger „natürlich“.
Kindersicherheit und Hitze
Heizkörper werden je nach Vorlauftemperatur deutlich warm. Wenn kleine Kinder im Haushalt sind, ist eine lamellige Front sinnvoll, aber nur wenn Luftwege groß genug bleiben.
- Keine scharfen Kanten: Kantenradius oder Kantenumleimer.
- Stabile Befestigung: Bank darf nicht kippen, wenn jemand seitlich aufsitzt.
- Abstand zu Thermostatventil: keine Quetschstellen, kein „Drehspielzeug“ direkt an der Kante.
Typische Fehler aus der Praxis (und wie du sie vermeidest)
- Fehler: geschlossene Front „wie ein Schrank“. Lösung: Lamellen oder Lochblech, unten und oben groß öffnen.
- Fehler: Thermostat hinter Front und Vorhang. Lösung: Front aussparen oder Thermostat nach vorn führen (nur wenn fachgerecht möglich).
- Fehler: Ablage direkt über dem Heizkörper ohne Schlitz. Lösung: mind. 5 cm Luftkanal oder Lüftungsgitter einsetzen.
- Fehler: Stauraum mit Textilien direkt vor dem Heizkörper. Lösung: Körbe seitlich, nicht davor; Textilien fernhalten.
- Fehler: Montage ohne Zugang. Lösung: alles so bauen, dass du es in 2 Minuten abnehmen kannst.
Kosten und Aufwand realistisch einschätzen (DE-Richtwerte)
Für eine typische Nische (ca. 120 cm breit) liegst du häufig in diesen Spannen, wenn du selbst baust und Baumarktmaterial nutzt:
- Offene Sitzbank: ca. 80 bis 220 EUR (Leimholz oder Multiplex, Schrauben, Öl/Lack).
- Lamellenverkleidung: ca. 150 bis 400 EUR (mehr Zuschnitt, mehr Oberfläche, ggf. Gitter).
- Seitliche Regale + Ablage: ca. 60 bis 200 EUR (je nach Beschlägen und Oberfläche).
Wenn du zuschneiden lässt, plane im Baumarkt für Zuschnittservice und Kantenband zusätzlich ein. Bei sehr schiefen Wänden lohnt oft eine Schablone aus Pappe, bevor du teures Holz bestellst.

Podsumowanie
- Lass unten und oben klare Luftwege: unten 5 bis 10 cm frei, oben keine geschlossene „Deckelablage“.
- Thermostat und Entlüftung müssen jederzeit erreichbar sein (Front abnehmbar).
- Offene Sitzbank mit Leisten ist meist die sicherste Lösung für Wärmeleistung.
- Lamellenverkleidung nur mit großer freier Fläche und Öffnungen oben/unten.
- Wenn du unsicher bist: Stauraum seitlich planen, Heizkörperfront frei lassen.
FAQ
Verliere ich mit einer Heizkörperverkleidung spürbar Heizleistung?
Ja, wenn sie dicht ist oder oben/unten zu wenig offen bleibt. Mit großen Luftöffnungen und lamellierter Front bleibt der Verlust in der Praxis oft gering, bei geschlossenen Kästen kann er deutlich sein.
Wie viel Abstand sollte eine Sitzbank zum Heizkörper haben?
Plane mindestens 3 bis 5 cm seitlich und nach oben genug Raum, damit warme Luft durch die Sitzfläche oder nach vorne ausströmen kann. Unten vor dem Heizkörper sollten 5 bis 10 cm frei bleiben.
Kann ich den Thermostat hinter einer Verkleidung lassen?
Besser nicht. Hinter einer Verkleidung misst er zu warm und regelt zu früh ab. Wenn Verkleidung, dann Thermostat frei in der Raumluft oder mit großer Aussparung.
Welche Lösung ist am besten für Mietwohnungen?
Eine freistehende, offene Sitzbank (ohne Bohrungen in Wand oder Heizkörper) ist meist ideal: rückbaubar, wenig Risiko für Heizleistung, schnell umgesetzt.

