Warum offene Küchenregale oft scheitern (und wie du es besser machst)
Offene Regale sehen leicht und wohnlich aus, kippen im Alltag aber schnell in Unordnung: visuelles Chaos, fettiger Staubfilm, wackelige Befestigungen oder zu hoch montierte Böden, die niemand gern nutzt.
Die gute Nachricht: Mit ein paar klaren Regeln zu Platz, Höhe, Last und „was darf sichtbar sein“ funktionieren offene Regale in deutschen Küchen sehr zuverlässig, auch in Mietwohnungen.
Entscheidend ist, dass du offene Regale nicht als Ersatz für Oberschränke planst, sondern als bewusst begrenzte Zone: häufig genutzte Dinge, hübsch genug für Sichtbarkeit, leicht zu reinigen.
- Ja/Nein: Nutzt du die Dinge auf dem Regal mindestens 3x pro Woche?
- Ja/Nein: Ist der Abstand zum Kochfeld mindestens 60 cm oder du hast eine starke Dunstabzugslösung?
- Ja/Nein: Kannst du die Regalböden in 2 Minuten abwischen (glatte Oberfläche, wenig Kleinteile)?
- Ja/Nein: Hast du einen „geschlossenen Ausgleich“ (Unterschränke/Hochschrank), damit nicht alles offen stehen muss?
- Ja/Nein: Ist die Wand tragfähig oder kannst du mit passenden Dübeln (Hohlraum/Altbau) sicher befestigen?
- Ja/Nein: Bist du bereit, 1 feste Ordnungsvorgabe einzuhalten (z.B. nur Weiß + Holz + Glas)?

Die richtige Platzierung: Wo offene Regale in der Küche wirklich Sinn ergeben
Gute offene Regale sind nah an der Nutzung und weg von Fett und Wasserdampf. Plane sie wie eine Funktionszone, nicht wie Deko.
Die besten Positionen (Praxis)
- Über der Arbeitsfläche (Prep-Zone): Gewürze (in Gläsern), Öle (max. 2), häufig genutzte Schüsseln, Bretter.
- Beim Spülbereich: Gläser, Tassen, Teller - aber nur, wenn du Spritzwasser im Griff hast (hohe Armatur, Spritzschutz, gute Abtropffläche).
- Als Nische statt kompletter Zeile: 60 bis 120 cm offenes Regal zwischen zwei geschlossenen Bereichen wirkt ruhig und ist alltagstauglich.
- Über einer Kaffee- oder Frühstücksecke: Tassen, Müsli-Gläser, kleine Vorratsdosen - hier entsteht wenig Fettfilm.
Positionen, die oft Probleme machen
- Direkt neben/über dem Kochfeld: Fett und klebriger Staub setzen sich fest. Wenn du es trotzdem willst: Abstand, starker Abzug, glatte Böden, wenig Deko.
- Sehr nah am Backofen/hoch eingebautem Gerät: Wärme und Dampf, dazu Greifhöhe oft unpraktisch.
- In Laufwegen: Offene Kanten + viel Bewegung erhöhen das Risiko, dass Dinge runtergerissen werden.
Maße, die in deutschen Küchen funktionieren (ohne Küchenstudio)
Für eine Küche mit typischer Arbeitshöhe um 90 bis 95 cm und Deckenhöhe 2,40 bis 2,60 m sind folgende Richtwerte alltagstauglich. Passe sie an deine Körpergröße an, aber bleib in einem klaren Raster.
Höhe über der Arbeitsplatte
- Unterkante erstes Regal: 45 bis 55 cm über der Arbeitsplatte (du stößt dir nicht den Kopf, hast aber kurze Wege).
- Zwischen zwei Regalebenen: 28 bis 35 cm für Teller/Tassen/Schüsseln; 35 bis 40 cm für Vorratsgläser.
- Oberstes Regal: so, dass du noch ohne Hocker drankommst, oder konsequent „selten genutzt“ bestückst.
Tiefe und Länge
- Tiefe: 18 bis 22 cm ist der Sweet Spot. Tiefer wirkt schnell wuchtig und sammelt mehr Staub.
- Freie Spannweite: Bei Holzregalen ohne Mittelkonsole lieber kürzer planen (z.B. 60 bis 90 cm), sonst biegt es sich unter Gewicht.
Traglast realistisch einschätzen
Ein Meter Regal mit Tellern und Schüsseln ist schnell schwer. Als grobe Orientierung: 12 große Teller plus Schüsseln und Tassen können 15 bis 25 kg erreichen. Plane Befestigung und Konsolen so, dass das sicher getragen wird.
Materialwahl: Was sich in der Küche bewährt (Fett, Wasser, Putzen)
Offene Regale müssen nicht teuer sein, aber die Oberfläche entscheidet über Pflegeaufwand.
Gute Materialien
- Beschichtete Regalböden (Melamin/Laminat): sehr pflegeleicht, gute Preis-Leistung, unempfindlich gegen Flecken.
- Massivholz mit robuster Versiegelung: warmes Bild, aber nur mit hartem Lack/Versiegelung, sonst ziehen Fett und Wasser ein.
- Metallregale (pulverbeschichtet): sehr stabil, leicht zu reinigen, passt gut zu modern/industrial.
Materialien, die oft nerven
- Unbehandeltes Holz: nimmt Fett und Gerüche auf, wird fleckig.
- Sehr raue Oberflächen: lassen sich schlechter abwischen, Staub sitzt fest.
- Glasböden: wirken leicht, zeigen aber jeden Fingerabdruck und brauchen häufigeres Putzen.
Befestigung ohne Ärger: sichere Montage in Altbau, Neubau und Mietwohnung
Das Regal ist nur so gut wie die Wand. Gerade in deutschen Altbauten hast du häufig Mischmauerwerk, bröseligen Putz oder Hohlwände. Plane die Befestigung zuerst, dann den Look.
Wandtypen und passende Befestigung (praxisnah)
- Massiv (Beton, Vollziegel): Klassiker mit Dübeln und Schrauben, am besten mit sauberer Bohrung und passender Dübellänge.
- Lochziegel: hier halten nicht alle Standarddübel. Nutze Dübel, die in Lochstein greifen, und teste ein Bohrloch an unkritischer Stelle.
- Gipskarton (Trockenbau): nur leichte Regale oder Befestigung in Ständern. Für schwere Lasten: Ständer suchen und dort verschrauben.
Montage-Check in 7 Schritten
- Regalinhalt definieren (Tassen? Teller? Vorräte?). Daraus Last und Tiefe ableiten.
- Wandtyp prüfen (Klopftest, Steckdosenrand anschauen, ggf. Vermieter-Unterlagen).
- Position anzeichnen: Unterkante, Bohrpunkte, Wasserwaage.
- Bohrlöcher staubarm setzen (Staubfang, langsam ansetzen, nicht „eiern“).
- Dübel setzen, Konsolen montieren, Schrauben nachziehen.
- Regalboden auflegen/verschrauben, Kanten prüfen.
- Belastungstest: erst wenig, dann steigern. Nichts darf wackeln oder knacken.
Ordnung, die nicht nach Deko aussieht: ein System für sichtbaren Stauraum
Offene Regale wirken nur dann ruhig, wenn du visuelle Regeln einhältst. Das ist keine Stilfrage, sondern Alltag: Du findest Dinge schneller und putzt leichter.
Die 3-Regeln-Methode
- Regel 1: Farbpalette begrenzen (z.B. Weiß + Holz + Glas). Bunte Verpackungen kommen in geschlossene Schränke oder in einheitliche Dosen.
- Regel 2: Gleiche Formen bündeln (Tassen zusammen, Teller zusammen, Gläser zusammen). Kein Mix aus zehn verschiedenen Serien.
- Regel 3: 20 Prozent Luft lassen. Vollgestopft sieht sofort unruhig aus und erschwert das Abwischen.
Was auf offene Regale gehört (und was nicht)
- Geeignet: Teller, Schüsseln, Tassen, Wassergläser, Schneidebretter, 2 bis 3 Kochbücher, ein Korb für Servietten.
- Ungünstig: offene Mehl- und Zuckerpackungen, viele kleine Gewürztütchen, Arznei/Medikamente, zu viele Dekoobjekte.
Reinigung und Pflege: so bleibt es in 10 Minuten pro Woche sauber
Das Hauptargument gegen offene Regale ist der Putzaufwand. Mit der richtigen Kombination aus Oberfläche, Position und Routine bleibt es überschaubar.
10-Minuten-Routine (realistisch)
- 1x pro Woche: Regalböden mit leicht feuchtem Tuch abwischen (bei Fettfilm mit mildem Spülmittel).
- Alle 2 Wochen: Dosen und Flaschen kurz abwischen, damit sich kein klebriger Rand bildet.
- 1x pro Quartal: alles kurz runternehmen, Regal komplett reinigen, sortieren, aussortieren.
2 Tricks aus der Praxis
- Untersetzer-Prinzip: Öle/Essig auf ein kleines Tablett stellen. Du wischst ein Teil statt fünf Flaschenfüße.
- Glas statt Verpackung: Nudeln, Reis, Müsli in gleich große Schraub- oder Vorratsgläser. Das sieht ordentlich aus und reduziert Krümel.
Kleine Küchen und Mietwohnungen: offene Regale ohne Dauerstress
In 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen mit 6 bis 10 m2 Küche sind offene Regale verlockend, weil sie leichter wirken als Oberschränke. Damit es nicht kippt, brauchst du ein klares „geschlossen-offen“-Verhältnis.
Faustregel für kleine Küchen
- Mindestens 60 Prozent geschlossen (Unterschränke, Hochschrank, Apothekerauszug) für Vorräte, Geräte, Verpackungen.
- Maximal 40 Prozent offen für täglich genutztes Geschirr und 1 bis 2 schöne Funktionsecken.
Wenn Bohren schwierig ist
- Nutze freistehende Regale in Nischen (schmal, 30 bis 40 cm tief) statt Wandmontage.
- Plane Relingsysteme an der Rückwand für häufig genutzte Tools (aber nicht überladen).
- Wenn du bohrst: dokumentiere Bohrpunkte, nutze passende Dübel, beim Auszug sauber schließen (Spachtel, Farbe).

Budget und Einkauf: was du realistisch kalkulieren solltest
Für zwei bis drei Regalböden (je 60 bis 120 cm) inkl. Konsolen liegst du oft in einem realistischen Rahmen, abhängig von Material und Wandtyp. Wichtig ist: Spare nicht an der Befestigung, sondern eher an der Deko.
- Einsteiger (funktional): beschichtete Böden + einfache Metallkonsolen.
- Mittelklasse (optisch ruhig): hochwertige Konsolen, einheitliche Vorratsgläser, Tabletts.
- Aufwertung: durchgehendes Regalband, verdeckte Halter (nur bei sicherer Wand), passende Unterbauleuchte über der Arbeitsfläche.
Podsumowanie
- Offene Regale als begrenzte Zone planen, nicht als Vollersatz für Oberschränke.
- Abstand zum Kochfeld einhalten, sonst Kampf gegen Fettfilm.
- Tiefe 18 bis 22 cm, Unterkante 45 bis 55 cm über der Arbeitsplatte.
- Wandtyp prüfen, Befestigung auf Last auslegen, erst dann Design wählen.
- Ordnung durch 3 Regeln: Farbpalette, Formen bündeln, 20 Prozent Luft.
- Pflege leicht machen: glatte Oberflächen, Tabletts, 10-Minuten-Wochenroutine.
FAQ
Wie viele offene Regalböden sind in einer normalen Küche sinnvoll?
Meist 1 bis 3 Böden auf 60 bis 120 cm Breite. Mehr wirkt schnell unruhig und erhöht den Putzaufwand stark. Lieber eine klare, gut nutzbare Zone.
Kann ich Teller auf offene Regale stellen?
Ja, wenn Befestigung und Konsolen für das Gewicht ausgelegt sind und die Tiefe passt. Plane genug Platz nach vorn, damit Teller nicht anstoßen und sicher stehen.
Was hilft gegen Fett und Staub auf offenen Regalen?
Abstand zum Kochfeld, eine funktionierende Dunstabzugslösung, glatte Oberflächen und weniger Kleinteile. Öle auf ein Tablett, Verpackungen in geschlossene Schränke.
Sind offene Regale in einer Mietwohnung eine gute Idee?
Ja, wenn du die Bohrpunkte sauber setzt und beim Auszug ordentlich schließt. Alternativ funktionieren schmale Standregale in Nischen oder Relingsysteme für leichte Dinge.

