Stauraum unter der Treppe nutzen: Praktische Einbauten für Flur, Wohnzimmer und Abstellzone

Warum der Raum unter der Treppe fast immer verschenkt ist

Unter Treppen entstehen in deutschen Häusern und Maisonette-Wohnungen oft 1 bis 3 m2 „Nichts“: schwer zugänglich, schräg, dunkel. Gleichzeitig fehlt genau dort Stauraum für Schuhe, Jacken, Putzmittel, Werkzeug, Vorräte oder den Staubsauger.

Die gute Nachricht: Der Bereich lässt sich ohne Komplettumbau sehr effizient nutzen. Entscheidend ist, dass du zuerst die Geometrie, den Zugang und die Nutzung (Flur, Wohnzimmer, Abstellzone) sauber planst. Dann wird aus der Problemnische ein ordentliches, leises und alltagstaugliches Stauraum-Modul.

In diesem Artikel bekommst du praxiserprobte Lösungen: von einfachen Türen bis zu Auszugsschubladen und „versteckten“ Garderoben, inklusive typischer Maße, Materialwahl und Kostenrahmen für Deutschland.

  • Höhe an der höchsten Stelle mindestens 120 cm?
  • Mindestens 60 cm Tiefe verfügbar (für Auszüge sinnvoll)?
  • Du willst regelmäßig an den Stauraum (mehrmals pro Woche)?
  • Kannst du eine Tür oder Front mit 50 bis 70 cm Breite öffnen?
  • Gibt es Steckdose/Beleuchtung oder kannst du eine nachrüsten?
  • Stört eine Lösung nicht den Laufweg im Flur (mindestens 90 cm Durchgang)?
Maßgefertigter Stauraum unter einer Holztreppe im hellen Flur mit geschlossenen Fronten und klaren Linien
Unter der Treppe wirkt Stauraum am besten, wenn Fronten und Fugenbild sauber geplant sind.

Bestandsaufnahme in 30 Minuten: Maße, Technik, Stolperfallen

Bevor du irgendetwas kaufst: Nimm dir ein Maßband, Kreppband und dein Handy. Die meisten Fehlplanungen entstehen, weil die Schräge unterschätzt wird oder weil man Türen plant, die später gegen Geländer, Heizkörper oder Lichtschalter stoßen.

Diese Maße brauchst du wirklich

  • Breite der nutzbaren Öffnung (wie viel „Front“ ist möglich?).
  • Tiefe bis zur Wand unter der Treppe (oft 70 bis 120 cm).
  • Höhe vorne und Höhe hinten (Schräge).
  • Position von Wangen, Pfosten, Geländerstützen (kann Auszüge blockieren).
  • Technik: Stromleitungen, Heizungsrohre, Fußbodenheizung, Revisionsklappen.

Tipp aus der Praxis: Klebe die geplante Tür- oder Schubladenfront mit Kreppband auf den Boden und „spiele“ das Öffnen durch. So merkst du sofort, ob der Flur zu eng wird.

Sicherheits- und Bau-Realität (kurz und klar)

  • Tragende Teile der Treppe (Wangen, Stringer, Pfosten) nicht anbohren, wenn du nicht sicher bist.
  • Brand- und Fluchtweg: Im Mehrfamilienhaus im Treppenhausbereich nichts einbauen. Hier geht es um den Raum in deiner Wohnung/Einheit.
  • Schimmel/Feuchte: Außenwand unter der Treppe? Dann Lüftungsschlitze oder Abstand zur Wand einplanen.

Welche Nutzung passt zu deinem Alltag? 6 praxistaugliche Konzepte

Die beste Lösung ist nicht die „schönste“, sondern die, die du wirklich nutzt. Unter Treppen funktionieren klare Zonen: vorne häufig, hinten selten. Plane also nach Zugriffshäufigkeit.

1) Flur-Garderobe: Jacken, Schuhe, Taschen

Wenn der Treppenbereich am Eingang liegt, ist eine Garderobe Gold wert. Wichtig: Schmutzzone und Lüftung. Schuhe brauchen Luft, sonst riecht es schnell.

  • Vorne: offene Schuhfächer oder Auszug für 8 bis 12 Paar.
  • Mittig: Hakenleiste für Taschen, Hundeleine, Rucksäcke.
  • Hinten: geschlossene Fächer für Saisonware (Mützen, Schals).

Material-Tipp: Für Schuhe und nasse Jacken sind beschichtete Platten (Melamin) oder lackierte MDF pflegeleichter als rohes Holz.

2) Putz- und Technikschrank: Staubsauger, Wischer, Reinigungsmittel

Das ist die dankbarste Nutzung, weil die Schräge kaum stört. Plane eine hohe Nische (mindestens 120 bis 140 cm) für den Staubsauger.

  • Innen eine senkrechte Trennwand für lange Geräte (Wischer, Besen).
  • Ausziehkorb oder kleine Fächer für Flaschen, Tücher, Tabs.
  • Tropfschale unten (z.B. Kunststoffwanne) gegen Feuchtigkeit.

Praxis-Tipp: Wenn du einen Akkusauger hast, plane eine Steckdose im Schrank und eine Kabeldurchführung. Sonst liegt das Ladegerät wieder im Flur.

3) Wohnzimmer-Storage: Bücher, Spiele, Technik

Im Wohnzimmer wirkt ein Treppen-Einbau schnell wie ein „Möbelstück“ statt wie Abstellkammer. Hier zählen Fronten, Fugenbild und Licht.

  • Untere Zone: große Schubladen für Spiele, Kabel, Decken.
  • Obere Zone: Regalfächer mit identischen Boxen (ruhiges Bild).
  • Eine Tür als „Chaos-Puffer“ für alles, was schnell weg muss.

Optik-Tipp: Wenn du die Fronten wandfarben lackierst, wirkt der Einbau deutlich ruhiger, besonders in kleinen Räumen (60 bis 90 m2 Wohnungen).

4) Vorrats- und Getränkebereich (wenn nah an der Küche)

Unter der Treppe ist es oft kühler. Für Vorräte ideal, wenn es trocken ist. Wichtig ist die Tiefe: Vorratslager ohne Auszüge wird schnell unübersichtlich.

  • Mit Vollauszügen arbeitest du wie bei einer Speisekammer-Schublade.
  • Plane Fachhöhen für 1-L-Flaschen (mindestens 32 cm).
  • Beschrifte Boxen und halte 1 Fach frei für „Einkauf rein“.

5) Home-Office-Nische (nur, wenn genug Höhe vorne)

Ein kleiner Arbeitsplatz unter der Treppe funktioniert, wenn du vorne mindestens 130 bis 150 cm Höhe hast und die Sitzposition nicht in die Schräge drückt.

  • Tischplatte 60 cm tief, 100 bis 140 cm breit.
  • Eine Kabelwanne und 2-fach USB-Lader fest einplanen.
  • Blendfreies LED-Licht (3000 bis 4000 K) unter der Treppenwange.

6) „Versteckte“ Abstellzone für Kinderwagen, Roller, Pfand

Wenn der Raum nahe der Haustür liegt und du breite Öffnung hast, lohnt eine große Tür oder Doppeltür. Plane robuste Oberflächen.

  • Wand-Schutzplatte innen (z.B. HPL oder PVC) gegen Kratzer.
  • Boden als strapazierfähige Wanne oder Matte.
  • Ein Haken für Helm und Reflektoren.

Die 4 besten Bauarten: Was sich wirklich bewährt

Unter Treppen scheitern Projekte meist an der Zugänglichkeit. Hier sind vier Bauarten, die im Alltag funktionieren, inklusive kurzer Einordnung.

A) Einfache Drehtür (günstig, robust)

  • Pro: günstig, wenig Mechanik, leicht selbst zu bauen.
  • Contra: benötigt Schwenkraum im Flur; hinten schlecht erreichbar.
  • Ideal: Putzschrank, selten genutzte Dinge.

Praxis-Tipp: Nimm Topfbänder mit Soft-Close. Eine Tür, die ständig an die Wand knallt, nervt spätestens nach 2 Wochen.

B) Auszugsschubladen über die gesamte Tiefe (maximaler Zugriff)

  • Pro: alles erreichbar, beste Ordnung, perfekt für Vorräte und Spielzeug.
  • Contra: teurer, präziser Bau nötig; Auszüge müssen zur Last passen.
  • Ideal: tiefe Nische (ab ca. 70 cm), regelmäßige Nutzung.

Faustregel: Für Getränkekisten brauchst du schwere Vollauszüge (je nach System 40 bis 70 kg Traglast pro Paar).

C) Schiebetür-Front (wenn der Flur eng ist)

  • Pro: kein Schwenkraum; ruhige Optik.
  • Contra: immer nur ein Teil gleichzeitig offen; Schiene muss sauber laufen.
  • Ideal: schmale Dielen, wenn der Durchgang knapp ist.

Wichtig: Plane unten eine Führung, sonst „pendelt“ die Tür und klappert.

D) Klappen und Push-to-open (minimalistisch, aber heikel)

  • Pro: grifflose Optik, schnell zu.
  • Contra: Push-Mechaniken sind bei schiefen Böden und schrägen Fronten sensibel.
  • Ideal: Wohnzimmerfronten, leichte Inhalte (Decken, Deko).

Materialien und Oberflächen: Was im Alltag nicht nervt

In Deutschland bekommst du die wichtigsten Platten und Beschläge problemlos im Baumarkt oder Holzhandel. Entscheidend ist die richtige Kombination aus Stabilität, Pflege und Optik.

Korpus und Fronten

  • Melaminbeschichtete Spanplatte (16 bis 19 mm): günstig, pflegeleicht, ideal für Korpus und Einlegeböden.
  • MDF lackiert: bessere Kanten und Optik, aber empfindlicher gegen harte Stöße.
  • Multiplex: sehr stabil, schöne Kante, teurer. Gut für sichtbare Regale.

Innenausstattung, die Ordnung macht

  • Ausziehkörbe für Putzmittel, damit nichts nach hinten verschwindet.
  • Trennstege in Schubladen für Schuhe, Schals, Handschuhe.
  • Euroboxen (z.B. 40 x 30 cm) als Standardmaß: günstig, stapelbar, austauschbar.

Beleuchtung: klein, günstig, großer Effekt

Unter der Treppe ist es meist dunkel. Ohne Licht wird der Stauraum schlechter genutzt.

  • LED-Unterbauleiste mit Bewegungssensor: ideal für Putzschrank und Garderobe.
  • Akku-LED: schnell, aber du musst laden. Als Übergang ok.
  • Warmweiß (2700 bis 3000 K) im Flur, neutralweiß (3500 bis 4000 K) bei Arbeitsnische.

Budget, Aufwand, typische Kosten (Deutschland)

Die Spanne ist groß, weil Mechanik und Frontqualität den Preis treiben. Als Orientierung für einen Treppenbereich mit 120 bis 200 cm Breite:

  • Einfacher Tür-Schrank (DIY): ca. 150 bis 450 EUR Material (Platten, Bänder, Griffe, Schrauben).
  • Auszugslösung mit 2 bis 4 großen Schubladen: ca. 350 bis 1.200 EUR Material (starke Auszüge, Fronten, Korpus).
  • Schreiner-Maßanfertigung: häufig 1.500 bis 4.000 EUR, je nach Fronten, Lack, Auszügen.

Praxis-Tipp: Wenn du handwerklich ok bist, lohnt oft ein Hybrid: Korpus selbst bauen, Fronten beim Schreiner oder im Zuschnittservice sauber fertigen lassen. So sparst du Geld, aber die Optik bleibt hochwertig.

Montage-Plan: In 8 Schritten zu einem sauberen Ergebnis

So gehst du vor, ohne dich zu verrennen. Die Reihenfolge spart Zeit und verhindert typische Fehler.

  1. Aufmaß mit Skizze: Schräge einzeichnen, Öffnung definieren.
  2. Entscheidung für Bauart: Tür oder Auszug, basierend auf Flurbreite.
  3. Innenzonen planen: vorne häufig, hinten selten.
  4. Materialliste: Plattenstärke festlegen, Beschläge passend zur Last wählen.
  5. Zuschnitt organisieren: gerade Schnitte im Baumarkt, Schrägen ggf. selbst mit Führungsschiene.
  6. Korpus vormontieren: zuerst stabil und rechtwinklig, dann erst Fronten.
  7. Fronten ausrichten: Fugenbild prüfen, dann Soft-Close einstellen.
  8. Ordnungssysteme einsetzen: Boxen, Trennstege, Beschriftung, Licht.

Hinweis: Wenn du kein ol verwenden möchtest, kannst du das als Liste bauen. Inhaltlich ist die Reihenfolge das Entscheidende.

Fehler, die ich in echten Wohnungen ständig sehe (und wie du sie vermeidest)

Fehler 1: Zu tiefe Fächer ohne Auszug

Alles rutscht nach hinten und wird vergessen. Lösung: mindestens eine Auszugsebene oder herausnehmbare Boxen mit Griff.

Fehler 2: Türen stoßen an Lichtschalter oder Geländer

Lösung: Türanschlag vorher mit Kreppband testen oder auf Schiebetür umsteigen.

Fehler 3: Billige Auszüge für schwere Last

Getränke, Werkzeug, Pfand sind schwer. Lösung: Traglast realistisch rechnen und Auszüge dafür kaufen.

Fehler 4: Keine Sockel- und Bodenlösung

Unten sammelt sich Staub, im Flur kommt Feuchtigkeit dazu. Lösung: Sockelblende und abwischbare Bodenfläche einplanen.

Auszugsschubladen unter der Treppe mit geordneten Boxen für Schuhe, Putzmittel und Alltagskram
Auszüge holen auch die hinteren Bereiche nach vorne und verhindern Chaos.

Podsumowanie

  • Erst Aufmaß und Öffnungs-Test mit Kreppband, dann erst kaufen.
  • Vorne häufig genutzte Dinge, hinten seltene Lagerung.
  • Bei Tiefe ab ca. 70 cm sind Auszüge fast immer besser als Regalböden.
  • Material: Melamin für Alltag, MDF lackiert für Optik, Multiplex für robuste Sichtteile.
  • LED mit Sensor macht den Stauraum wirklich nutzbar.
  • Schwere Inhalte brauchen passende Auszüge und stabile Korpusse.

FAQ

Brauche ich für Einbauten unter der Treppe eine Genehmigung?

In der eigenen Wohnung normalerweise nicht, solange du keine tragenden Treppenteile veränderst. In Mietwohnungen brauchst du die Zustimmung des Vermieters, wenn du fest einbaust oder Leitungen verlegst.

Was ist besser: Tür oder Schubladen?

Schubladen sind im Alltag meist besser, weil du alles erreichst. Eine Tür ist günstiger und genügt für Putzgeräte oder selten genutzte Sachen. In engen Fluren kann eine Schiebetür sinnvoll sein.

Wie verhindere ich Gerüche und Feuchtigkeit im Schuhbereich?

Nimm leicht zu reinigende Oberflächen, plane Luftspalt oder Lüftungsgitter und nutze herausnehmbare Schuhmatten. Nasse Schuhe nicht in komplett dichte Boxen stellen.

Welche Mindestmaße machen eine Lösung sinnvoll?

Als grobe Orientierung: ab 60 cm Tiefe lohnt Stauraum fast immer, ab 70 cm Tiefe sind Auszüge sehr empfehlenswert. Für hohe Geräte (Staubsauger) brauchst du vorne meist 120 bis 140 cm Höhe.