Warum der Spiegelschrank im Alltag entscheidet
Der Spiegelschrank ist im Bad oft das meistgenutzte Möbelstück: morgens und abends, mit nassen Händen, mit Dampf in der Luft, mit vielen Kleinteilen. Wenn er falsch geplant ist, nervt er jeden Tag: zu wenig Tiefe, blendendes Licht, klappernde Türen, fehlende Steckdose für Zahnbürste oder Rasierer.
Gute Planung ist hier keine Designfrage, sondern eine Kombination aus Ergonomie, Elektrik, Feuchteschutz und Stauraumlogik. Gerade in deutschen Bädern mit 4 bis 8 m2 muss der Spiegelschrank mehrere Funktionen übernehmen, ohne den Raum optisch zu erschlagen.
Unten findest du eine praxisnahe Vorgehensweise, mit der du in 60 bis 90 Minuten entscheiden kannst, welches Modell passt und worauf du bei Montage und Ausstattung achten solltest.
- Micro-BOM (typische Montage, ca. 25-60 EUR)
- 2-4 x passende Dübel (z.B. 8 mm) + Schrauben: 5-10 EUR
- 1 x Wasserwaage oder Mini-Laser: 0-25 EUR
- 1 x Leitungssucher (Strom/Wasser): 15-30 EUR
- 1 x Sanitär-Silikon (neutralvernetzend) für Randabdichtung: 8-12 EUR
- 4-8 x Filzgleiter/Soft-Pads (falls Türen anschlagen): 2-6 EUR

Maße und Position: So sitzt der Spiegel wirklich richtig
Die häufigste Fehlplanung: Man orientiert sich am alten Spiegelschrank oder an Standardhöhen, statt an Personen, Armaturen und Blickwinkel. Ein paar Zentimeter entscheiden, ob du dich bequem siehst oder ständig den Kopf senken musst.
Die 3 wichtigsten Maße
- Breite: Idealerweise ähnlich wie der Waschtisch oder 10-20 cm schmaler. In kleinen Bädern wirkt ein 80 cm-Schrank über einem 60 cm-Waschtisch schnell zu wuchtig.
- Tiefe: Alltagstauglich sind meist 12-17 cm. Unter 12 cm passen viele Deos, Rasierer-Ladestationen oder hohe Flaschen nicht. Über 18 cm steigt die Kopfstoß-Gefahr in engen Bädern.
- Höhe: 60-75 cm sind Standard. Höher lohnt sich nur, wenn du die oberen Fächer wirklich erreichst oder bewusst selten genutzte Dinge dort lagerst.
Montagehöhe: Pragmatiker-Regel statt Normdenken
Statt starrer Vorgaben nutze diese schnelle Prüfung:
- Stell dich an den Waschtisch, normale Haltung.
- Markiere am Wandspiegel (oder mit Malerkrepp an der Wand) Augenhöhe der Hauptnutzer.
- Der Spiegelbereich sollte mindestens 10-15 cm über Augenhöhe nach oben reichen und bis zur Brust nach unten.
Praxiswert: Viele montieren den Korpus zu hoch, weil sie Platz über der Armatur lassen wollen. Ergebnis: Du siehst bei kleineren Personen vor allem Stirn und Haaransatz. Besser ist, die Armatur optisch zu integrieren, statt den Spiegel hochzuziehen.
Abstände zu Armatur, Waschbecken und Wandlampen
- Über der Armatur: 10-15 cm Luft sind meist genug, damit Spritzwasser nicht direkt an der Unterkante steht.
- Zu Seitenwänden: 5-10 cm Abstand vermeidet, dass Türen gegen Wand oder Hochschrank schlagen.
- Zu vorhandenen Wandleuchten: Prüfe, ob der Schrank deren Kabelauslass verdeckt oder ob Schattenkanten entstehen.
Stauraum innen: So sieht es nicht nach zwei Wochen wieder chaotisch aus
Ein Spiegelschrank ist kein Abstellraum. Er funktioniert nur, wenn du ihn in Zonen strukturierst. Sonst stehen vorne Kleinteile, dahinter kippen Flaschen um, und du räumst täglich um.
Innenaufteilung nach Nutzungshäufigkeit
- Greifzone (mittlere Fächer): Zahnpflege, Creme, Deo, Rasierer, Kontaktlinsen.
- Randzone (seitlich): Styling, Parfum, Nagelpflege, Medikamente (wenn kindersicher).
- Top-Zone: Ersatzköpfe, Reisegrößen, seltene Produkte. Nur, wenn gut erreichbar.
Verstellbare Glasböden: worauf du achten solltest
- Lochreihe eng genug: 25 mm Raster ist deutlich flexibler als grobe Abstände.
- Tragkraft: Glasböden sind stabil, aber überlade sie nicht mit schweren Flaschen auf einer Kante.
- Kanten: Sauber geschliffene Kanten sind angenehmer beim Putzen und reduzieren Schnittgefahr.
Tür-Spiegel oder Innen-Spiegel?
Wenn der Schrank Türen hat, überlege, ob du Spiegel innen brauchst. Vorteil: Du siehst dich auch bei geöffneter Tür seitlich, ohne den Kopf zu verdrehen. In engen Bädern kann das helfen, weil du näher an den Spiegel kommst.
Licht: blendfrei, farbecht, ohne Schatten im Gesicht
Licht am Spiegel ist im Bad oft das wichtigste Funktionslicht. Deckenlampen erzeugen schnell Schatten unter Augen und Kinn. Zu kalt wirkt ungemütlich, zu warm verfälscht Hauttöne und Make-up.
Welche Lichtfarbe ist sinnvoll?
- Neutralweiß (ca. 3500-4000 K): Sehr praxistauglich für Rasur, Pflege, Make-up.
- Warmweiß (2700-3000 K): Gemütlicher, aber Hauttöne wirken oft gelblicher.
- Sehr kalt (5000 K+): Funktional, wirkt im Bad schnell klinisch.
Helligkeit: nicht raten, grob planen
Für den Spiegelbereich sind grob 500-800 Lumen als reine Spiegelbeleuchtung ein guter Startpunkt. Bei dunklen Fliesen oder wenig Tageslicht darf es mehr sein. Wenn die Spiegelbeleuchtung zugleich das Hauptlicht im Bad sein soll, plane deutlich höher.
Position der LED: oben, seitlich oder umlaufend?
- Oben: häufig, aber kann Schatten unter Augen erzeugen. Besser, wenn zusätzlich Deckenlicht vorhanden ist.
- Seitlich: sehr gut fürs Gesicht, reduziert Schlagschatten. Für schmale Schränke manchmal schwer umzusetzen.
- Umlaufend/Front: gleichmäßig, optisch ruhig, meist die beste Alltagslösung, wenn blendfrei ausgeführt.
Praxis-Tipp: Wenn du im Spiegel das LED-Band direkt als Punktlinie siehst, ist die Abdeckung zu transparent oder die Position zu frontal. Such nach Opal-Abdeckung oder indirekter Lichtführung.

Steckdosen, Schalter, Elektrik: typische Fehler und sichere Lösungen
Im Bad gilt: Elektrik sauber planen, sonst wird es teuer oder gefährlich. Häufigster Frustpunkt ist eine fehlende Steckdose im Schrank oder ein Kabelsalat mit Ladegeräten auf dem Waschtisch.
Wie viele Steckdosen brauchst du wirklich?
- Minimum: 1 Steckdose innen (Zahnbürste oder Rasierer).
- Alltag in vielen Haushalten: 2 Steckdosen innen (z.B. zwei Zahnbürsten oder Zahnbürste + Rasierer).
- Komfort: 2 Steckdosen + USB-Ladeport, wenn du oft Trimmer, Gesichtsbürste oder Epilierer lädst.
Schalter-Logik, die im Alltag nicht nervt
- Separater Lichtschalter am Schrank: Gut, wenn du nachts nur Spiegellicht willst.
- Gemeinsam mit Badlicht: Einfach, aber du hast weniger Kontrolle und machst oft unnötig hell.
- Sensor: Praktisch, kann aber bei Dampf oder Handbewegungen nerven. Vor dem Kauf Bewertungen zu Fehltriggern prüfen.
Montage an vorhandenen Wandauslässen
Wenn ein alter Spiegelschrank hängt, existiert meist ein Wandauslass in der Nähe. Dann entscheidet der neue Schrank über Nacharbeit:
- Passt die Kabeldurchführung? Prüfe, ob hinten ein definierter Kabelkanal vorhanden ist.
- Deckt der Korpus alte Bohrlöcher ab? Spart Spachtelarbeit in Fliesenbereichen.
- Genug Platz für die Klemmdose? Zu knapper Innenraum führt zu gequetschten Leitungen.
Wichtig: Arbeiten an 230 V gehören in Deutschland in der Regel in Fachhand. Plane den Schrank so, dass der Elektriker schnell drankommt (Kabelauslass nicht komplett verbauen, Zugentlastung möglich).
Feuchteschutz, Material und Pflege: damit nichts aufquillt oder rostet
Im Bad sind Wasserdampf und Spritzwasser normal. Ein guter Spiegelschrank hält das aus, ein schlechter zeigt nach 12 bis 24 Monaten Kantenquellungen oder Rost an Scharnieren.
Korpus und Kanten: woran du Qualität erkennst
- Saubere Kantenversiegelung: keine offenen Spanplattenkanten, keine „dünn wirkende“ Folie an den Ecken.
- Rückwand: stabil und gut befestigt, nicht nur dünnes „Papierbrett“.
- Scharnier-Material: korrosionsarm, sauber laufend, ideal mit Dämpfung.
Spiegel und Beschlag: Anti-Beschlag realistisch einschätzen
Anti-Beschlag-Funktionen sind praktisch, aber keine Magie. Sie brauchen Strom und funktionieren am besten, wenn das Bad grundsätzlich gut entlüftet ist. Wenn du nach dem Duschen regelmäßig Wasser an Fliesen herunterlaufen hast, löst auch ein Heizelement nicht das Grundproblem.
Pflege, die Spuren verhindert
- Für Spiegel: Mikrofasertuch + wenig Glasreiniger, nicht auf die Kanten fluten.
- Für Korpus: leicht feuchtes Tuch, danach trocken nachwischen.
- Nach dem Duschen: 2-3 Minuten Stoßlüften oder kurz nachlaufen lassen, wenn ein Lüfter vorhanden ist.
Montage in Fliese, Altbauwand oder Trockenbau: so hält es sicher
Ein gefüllter Spiegelschrank bringt schnell 15 bis 30 kg auf die Wand. Die Befestigung ist kein Nebenthema. Du brauchst passende Dübel und musst Leitungen sicher ausschließen.
Vor dem Bohren: 5 Minuten, die teure Schäden vermeiden
- Leitungssucher einsetzen (Strom und idealerweise Metall/Wasser).
- Bohrpunkte auf Symmetrie prüfen: Mitte zum Waschtisch, Türen kollisionsfrei.
- Schrank anhalten oder mit Kartonschablone testen, ob Kopf-Freiraum passt.
Welche Wand, welche Dübel? (Praxisorientiert)
- Massivwand (Beton/Ziegel): Standard-Nylondübel, Schraube passend dimensionieren.
- Trockenbau (Gipskarton): Hohlraumdübel oder Kipplösung, ideal in Ständerprofil. Wenn nur GK ohne Verstärkung: eher leichtere Schränke oder zusätzliche Trägerleiste.
- Altbau bröselig: Injektionsmörtel kann sinnvoll sein, aber dann wirklich sauber arbeiten oder Fachhilfe holen.
Unterkante abdichten: ja oder nein?
Wenn der Spiegelschrank direkt über einem Spritzbereich sitzt oder die Wand uneben ist, kann eine dünne Silikonfuge an der Unterkante helfen, dass keine Feuchte hinter den Korpus zieht. Aber: Eine komplett umlaufende Abdichtung kann Feuchte einschließen. In der Praxis reicht oft unten und an kritischen Stellen.
Typische Kaufentscheidungen in deutschen Budgets
Du bekommst Spiegelschränke grob in drei Preiszonen. Entscheidend ist nicht die Zone, sondern ob sie zu deinem Bad und deiner Nutzung passt.
Bis ca. 150 EUR: solide Basis, wenn du kompromissbereit bist
- Oft einfache LED oder Aufsatzleuchte, begrenzte Steckdosenoptionen.
- Innenaufteilung meist ok, aber Kantenqualität genau prüfen.
- Gut für Gäste-WC oder wenn du wenig im Schrank lagerst.
Ca. 150 bis 400 EUR: der Sweet Spot für Alltag
- Bessere Dämpfung, bessere Lichtabdeckung, mehr Steckdosenoptionen.
- In der Regel stabilere Korpusse und sauberere Verarbeitung.
- Empfehlenswert für Hauptbad in Wohnung oder Reihenhaus.
Ab ca. 400 EUR: Komfort und Details
- Häufig bessere Lichtführung, mehr Steuerung, hochwertigere Beschläge.
- Kann sich lohnen, wenn der Schrank dein Hauptlicht ersetzt oder du ihn sehr intensiv nutzt.
- Prüfe trotzdem: Innenraumlogik und Steckdosen bleiben wichtiger als „Features“.
Podsumowanie
- Breite am Waschtisch ausrichten, Tiefe 12-17 cm für Alltag wählen.
- Spiegelhöhe an Augenhöhe der Nutzer planen, nicht an „Standardmaßen“.
- Innenraum in Zonen organisieren, verstellbare Böden mit engem Raster bevorzugen.
- Licht: neutralweiß 3500-4000 K, möglichst gleichmäßig und blendfrei.
- Mindestens 1-2 Steckdosen innen einplanen, Schalterlogik vorher festlegen.
- Feuchteschutz über Kantenqualität und gute Lüftung sicherstellen.
- Montage: Leitungen prüfen, Dübel zur Wand passend wählen, Traglast ernst nehmen.
FAQ
Welche Tiefe ist für einen Spiegelschrank im kleinen Bad ideal?
Meist 12 bis 17 cm. Unter 12 cm wird es schnell unpraktisch für Flaschen und Ladegeräte, über 18 cm steigt das Risiko, dass du in engen Bädern mit dem Kopf anstößt.
Brauche ich im Spiegelschrank eine Steckdose oder reicht eine am Waschtisch?
Eine Steckdose im Schrank macht den Waschtisch deutlich ruhiger und verhindert herumliegende Ladekabel. Für viele Haushalte sind 2 Steckdosen innen ideal (z.B. zwei Zahnbürsten oder Zahnbürste plus Rasierer).
Welche Lichtfarbe ist im Bad am besten?
Neutralweiß um 3500 bis 4000 K ist am ausgewogensten: farbechter als Warmweiß, angenehmer als sehr kaltes Licht. Für Make-up und Rasur ist das meist die beste Wahl.
Kann ich einen Spiegelschrank auf Gipskarton sicher montieren?
Ja, aber nur mit passenden Hohlraumdübeln und idealerweise Befestigung im Ständerprofil. Wenn du keine stabile Unterkonstruktion triffst und der Schrank schwer wird, ist eine zusätzliche Montageleiste oder ein leichteres Modell sinnvoll.

